Reiseberichte

Zugtour durch Frankreich

Lang habe ich überlegt, wie und wo ich meinen Urlaub in diesem Sommer verbringen sollte. Klar war schon, dass ich nochmal nach Nantes in Frankreich wollte, denn letztes Jahr auf meiner Radreise, hatte ich nicht viel Zeit, die Stadt, die mir so gut gefiel, zu erkunden. Da ich gern Zug fahre und noch einige andere Ecken von Frankreich kennenlernen wollte, beschloss ich eine Zugreise durch Frankreich zu machen. Die Deutsche Bahn bietet sehr günstige Zugtickets ab 39 EUR von Deutschland nach Paris an. Ich habe im Vorfeld meine Reise genau geplant und deswegen auch alle französischen Zugtickets im Voraus gebucht. Durch die Spartickets habe ich sehr viel Geld gespart, war aber leider nicht mehr so flexibel.
An einem Donnerstag Abend ging es mit dem Zug von Leipzig nach Paris los. In Hannover bin ich gegen 22 Uhr in den Nachtzug eingestiegen und gegen 10 Uhr am Gare de l’Est in Paris wieder ausgestiegen. Die Fahrt im Nachtzug ist praktisch, aber nicht sonderlich bequem. Die 6er Abteile gleichen eher Kaninchenbuchten. Als kleiner Tipp: die Betten ganz unten sind die breitesten und haben den meisten Abstand nach oben. Trotzdem kann man sich nicht einmal aufrecht hinsetzen. Oft gibt es auch Probleme das Gepäck zu verstauen. Aber gut, für 59 EUR im Nachtzug nimmt man so einiges hin. Wie bei all meinen Reisen war ich aufgeregt, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Meine erste Station sollte Nantes sein. Da ich Paris schon mehrmals besichtigt habe, bin ich hier nur umgestiegen. Ach ja, wenn man viel Gepäck hat, ist es nicht gerade angenehm, die engen Drehkreuze der Pariser Metro zu passieren. Außerdem sind die Bahnen meist restlos überfüllt. Total gestresst von der Metrofahrt kam ich am Bahnhof Montparnasse an, wo ich noch zwei Stunden auf meinen Zug nach Nantes warten musste. Da die Deutsche Bahn ja oft unpünktlich ist, wollte ich lieber einen größeren Zeitpuffer haben, schließlich konnte ich die Superspartickets der französischen Bahn nicht umtauschen. Übrigens kann man diese online auf tgv-europe.com buchen. Die Wartezeit dort kann man sich aber gut vertreiben, weil sich gleich nebenan ein Einkaufscenter befindet, in dem unter anderem auch La Fayette drin ist. Aber da shoppen mit großer Rolltasche doch nicht so angenehm ist, zog ich ein gemütliches Straßencafé vor und bestellte mir einen Cappuccino. Als ich bezahlen wollte, staunte ich nicht schlecht über die 4,80 EUR für einen einzigen Cappuccino. Nun gut, ich wusste schon, warum ich in Paris nur umsteigen wollte.
Mit dem Zug nach Nantes hat alles super geklappt und ich kam pünktlich an. In Nantes war ich vorher schon einmal gewesen und die Stadt gehört definitiv zu meinen Favoriten in Frankreich. Nantes hat ca. 600.000 Einwohner und liegt an den Flüssen Loire und Erdre. Zum Atlantik sind es von hier aus ca. 40 Kilometer. Im Vorfeld habe ich mir eine Unterkunft bei einem Couchsurfer gesucht und war nun gespannt, wie alles sein wird. Robert wohnte in einer kleinen Nebenstraße direkt an der Kathedrale, also superzentral. Ich musste noch 2 Stunden überbrücken bis Robert von der Arbeit nach Hause kam, also ging ich vom Bahnhof direkt ins Bouffay, dem historischen Mittelalterkern von Nantes mit vielen engen Gassen, in denen kein Autoverkehr zugelassen ist. Hier reiht sich Café an Bar und bei gutem Wetter sitzt man im Freien. Wie schön wieder hier zu sein, dachte ich bei mir. Nach einem Cafébesuch ging ich dann zu Robert, der mich herzlich begrüßte. Zum Glück hatten wir von Anfang an sehr gute Gespräche und so verging die Zeit wie im Flug. Als Dankeschön an meine Gastgeber lade ich diese normalerweise immer zum Essen ein und so gingen wir in eine der vielen Crêperies im Bouffay Abendessen. Durch die Nähe zur Bretagne gibt es in Nantes im Vergleich zu anderen französischen Städten sehr viele Crêperies. Besonders die herzhaften Galette haben es mir angetan. Traditionell trinkt man Cidre dazu und als Dessert kann man auch noch einen süßen Crepe probieren. Am nächsten Tag habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen, um Teile der Stadt zu entdecken, die ich noch nicht kannte. Als erstes wollte ich ein bisschen Natur genießen und bin am Fluss Erdre Richtung Norden gefahren. Auf dem Rückweg wurden dort schon viele Bühnen und Stände für das „Rendez-vous de l’Erdre“, einem Jazzfestival, aufgebaut. Als ich wieder Richtung Stadtzentrum kam, hatte ich schon großen Hunger und beschloss auf die Ile de Nantes zu fahren, um dort etwas zu essen. Diese Insel ist in unmittelbarer Nähe vom Zentrum und wird von zwei Armen der Loire umrandet. Auf dem Weg zum Quai des Antilles, an dem viele kleine Bars und Cafés mit Liegestühlen sind, fuhr ich an dem Maschinenpark Nantes vorbei. Dieser soll an die ehemals große Bedeutung der Industrie in Nantes erinnern. Besonders beeindruckend ist der riesige Elefant, auf dem man reiten kann, während dieser sich vorwärts bewegt und Wasser spuckt. Besonders für Kinder ist das ein großes Spektakel. Am Quai des Antilles war es schön ruhig und ich habe meinen Salat mit Ziegenkäse und einen Kaffee in der Sonne genossen. Am Abend bin ich mit Robert und anderen Couchsurfern zum Rendez-vous de l’Erdre gegangen. Es war ein riesiges Festival mit richtig guter Jazzmusik.
Am nächsten Tag bin ich schon weiter nach Bordeaux. Direkt am Bahnhof befand sich die Touristeninfo, in der ich mir erstmal einen Stadtplan besorgt habe. Auf dem kürzesten Weg bin ich vom Bahnhof aus ins Zentrum gelaufen. Leider wirkte die Stadt auf mich überhaupt nicht schön. Besonders der erste Teil in der Nähe des Bahnhofs war sehr heruntergekommen und viele düstere Gestalten schlichen dort herum. Ich war froh, dass ich nicht abends dort lang laufen musste. Meine Einstellung zur Stadt änderte sich auch am folgenden Tag nicht, obwohl die Sonne schien und es am Garonne-Ufer wirklich schön war. Dennoch zog mich Bordeaux nicht in ihren Bann und ich war ehrlich gesagt froh am nächsten Morgen in den Zug nach Toulouse einzusteigen. Der Rezeptionist meines Hotels fragte mich beim Check-Out noch, wo ich jetzt hinfahre und als ich Toulouse sagte, erwiderte er, dass es eine ganz dreckige Stadt sei. Nun gut, das werden wir ja sehen, dachte ich bei mir. Wie mir einige Franzosen später erklärten, herrscht zwischen Bordeaux und Toulouse eine große Konkurrenz, weswegen der Rezeptionist wohl auch Toulouse schlecht redete.
Allerdings gefiel mir Toulouse richtig gut und es war auch nicht dreckig ;-) Ich hatte mir auch hier wieder einen Couchsurfer gesucht, bei dem ich zwei Nächte bleiben wollte. Aber als erstes wollte ich die Stadt ein bisschen auf mich wirken lassen und ging zum Place du Capitole. Hier herrschte eine ausgelassene Stimmung, denn die Erstsemester feierten ihre Immatrikulation mit großem Tamtam. Und so wirkte die Stadt auf mich gleich viel lebendiger als Bordeaux. Das besondere in Toulouse sind die historischen roten Backsteingebäude, die man überall im Zentrum sieht. Am Nachmittag ging ich dann zur Wohnung meines Gastgebers. Diese war nur ca. 5 Minuten vom Place du Capitole entfernt, also auch superzentral. Ich stand schon vor dem Haus als Yves ganz abgehetzt mit dem Fahrrad ankam. Der Arme hatte sich extra beeilt, um nicht zu spät zu sein. Die Wohnung war sehr schön eingerichtet und ich habe mich so wohl wie noch nie bei einem Fremden gefühlt. Yves hat sogar ein leckeres Abendessen im Wok für uns gezaubert und danach hat er mir seine Lieblingsorte in Toulouse gezeigt. Am nächsten Tag musste er wieder arbeiten und ich wollte Toulouse erkunden. Als erstes wollte ich dieses Fahrradsystem ausprobieren. Überall in der Stadt gibt es Stationen, an denen Fahrräder stehen. Dies wurde vor allem deswegen eingerichtet, um mehr Leute vom Auto auf umweltfreundlichere Alternativen zu lenken. So kann man, wenn man ein Abo hat, sich ganz schnell ein Fahrrad an einer beliebigen Station nehmen und es an einer anderen Station wieder abgeben. Für Touristen gibt es aber auch einen Tagestarif, der bei ungefähr 3 EUR liegt. Dabei ist die erste halbe Stunde immer kostenlos und danach bezahlt man einen Stundentarif. Alles was man braucht, um sich anzumelden, ist eine Kreditkarte. Zum Glück reichten meine Französischkenntnisse aus, um den Automat zu bedienen. In zwei Minuten war alles erledigt und ich hatte mein Fahrrad. Yves hat mir von dem Canal du Midi erzählt, der das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet und an dem es einen Radweg gab. Da mir nach Natur war, fand ich es eine Superidee an dem Kanal entlang zu fahren. Sobald man aus dem Stadtkern von Toulouse raus war, wurde es auch richtig grün. Ich habe viele schöne Hausboote gesehen, auf denen teilweise Restaurants und auf einem sogar eine Sauna waren. Den Radweg säumten Alleebäume, es war also trotz der 32 Grad sehr angenehm dort im Schatten zu radeln. Da mir dieser Abschnitt des Kanals so gut gefallen hat, habe ich mir fest vorgenommen, irgendwann den kompletten Canal du Midi mit dem Rad abzufahren. Nach zwei Stunden war ich zurück in der Stadt und bin hier noch ein paar Ecken abgefahren. Toulouse ist eine wunderschöne Stadt und liegt in der Nähe zum Mittelmeer sowie Atlantik und die Pyrenäen sind auch schnell erreicht. Nachdem ich mein Fahrrad wieder an einer anderen Station abgegeben hatte und noch ein wenig zu Fuß durch die Straßen lief, kaufte ich schließlich alles für das Abendessen ein. Yves wollte mir heute zeigen, wie man bretonische Galettes zubereitet. Das sind die herzhaften Crêpes, die aus Buchweizenmehl hergestellt und beispielsweise mit Ziegenkäse oder Schinken belegt werden. Per SMS hat mir Yves das Rezept geschickt und ich musste nun alle Zutaten besorgen. Da der Teig mindestens 2 Stunden, besser 4 Stunden stehen soll, bevor man die Galette brät, musste ich diesen schon vorbereiten. Und das hat sich im Nachhinein wirklich gelohnt. Mmmmmhhhh war das lecker! Dazu gab es einen leckeren frischen Salat und natürlich Cidre.
Hätte ich im Vorfeld gewusst, dass es mir in Toulouse so gut gefallen würde, wäre ich sicher länger geblieben. Aber leider hatte ich schon meine Zugtickets gebucht und meine nächste Station war Girona in Spanien. Dort blieb ich zwei Tage bevor ich meinen Rückflug mit Ryanair nach Leipzig antrat. Girona ist eine kleine gemütliche Stadt und perfekt, um alles zu Fuß zu erkunden. Die kleinen engen Gassen und die alten Fassaden geben der Stadt eine romantische Gemütlichkeit. Besonders schön fand ich den Blick von der Kathedrale, die etwas erhöht liegt, über die Dächer der Stadt. Übrigens habe ich nicht nur an der Sprache gemerkt, dass ich jetzt nicht mehr in Frankreich bin, sondern vor allem an den Preisen in den Cafés und Restaurants. Alles war wirklich im Vergleich zu Frankreich richtig billig und so habe ich es mir gegönnt mittags und abends essen zu gehen. Girona ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge an die Costa Brava. Aber auch Barcelona ist von hier aus schnell erreicht. Wer also den Großstadtstress vermeiden will, bleibt einfach in Girona und erkundet von hier aus die Gegend. Da ich aber bereits sehr oft in der Region war, verbrachte ich meine letzten zwei Tage ganz ruhig mit Spaziergängen, lesen und shoppen.

 

Aktivurlaub auf Mallorca - Sport, Spaß und Action