Reiseberichte

Tour de France - eine Fahrradtour durch Frankreich – Teil 1

Frankreich bietet ein paar sehr schöne Radrouten, die auch für Gelegenheitsradler geeignet sind. Schon oft habe ich von dem Radweg, der an den Schlössern der Loire entlang führt, gelesen. Schließlich konnte ich eine Freundin überzeugen, den Radurlaub in Frankreich zusammen zu verbringen.
Viele fahren die Schlösser-Radroute von Westen nach Osten, wir fanden es aber schöner, den Atlantik als Ziel zu haben. Im Nachhinein würde ich das nicht mehr machen, denn wir hatten jeden Tag starken Gegenwind, was einem ganz schön die Kräfte rauben kann.
Die schwierigste Frage war, wie wir unsere Fahrräder nach Frankreich kriegen. Da ich ein paar Jahre zuvor schon einmal mein Rad mit dem Flugzeug transportiert habe, fiel diese Option weg, denn ich konnte mich noch genau erinnern, wie aufwändig das war, die Räder ordentlich zu verpacken und am Flughafen wieder auszupacken. Nach einigem Recherchieren entschlossen wir uns den Nachtzug von Berlin nach Paris zu nehmen, denn dort ist im Gegensatz zum ICE die Fahrradmitnahme möglich. Da wir flexibel bei der An- und Abreise waren, haben wir sogar noch ein Sparticket bekommen. Ich würde empfehlen die Tickets am DB Verkaufsschalter zu kaufen, denn man bekommt für die Fahrräder noch extra Fahrkarten und Aufkleber. Ich wüsste nicht, ob das bei der Online-Buchung überhaupt möglich ist.
Vor unserer „Tour de France“ hatten wir keine Zeit, ordentlich zu planen. Wir hatten uns lediglich einen Radreiseführer für die Schlösser der Loire besorgt und geschaut, wie wir von Paris aus dort hinkommen.
An einem Wochenabend ging es dann los. Zum Glück fährt der Nachtzug von Berlin aus direkt durch, denn mit Gepäck und Fahrrädern ist es nicht so einfach umzusteigen. Wir kamen am nächsten Vormittag am Gare de l’Est in Paris an und sind dann zum Gare du Nord, der gleich nebenan ist, geradelt. Wir hatten vorher recherchiert und fanden es am leichtesten mit einem Regionalzug aus Paris herauszukommen. Dafür haben wir uns den RER B nach Saint-Rémy-lès-Chevreuse ausgesucht. Wir waren schon ein bisschen aufgeregt, weil wir beide die Drehkreuze der Metro kannten und nicht wussten, ob es klappt, diese mit dem Fahrrad zu passieren. Wird schon irgendwie klappen, dachten wir uns, also erst mal Fahrschein kaufen. Der Ticketautomat war nicht so leicht zu durchschauen und am Ende haben wir uns beide ein normales Metroticket für unter 2 EUR gekauft, weil wir es nicht hingekriegt haben, mehrere Zonen auszuwählen. So, nun auf zum RER…! Und schon standen wir vor den Drehkreuzen. Mmmmmmhhhh. Nebenan befand sich ein Infoschalter, der aber leider unbesetzt war. Doch dann sahen wir, dass der Behindertendurchgang offen stand. Diese Chance nutzten wir sofort und sind danach nochmal beide durch den normalen Eingang herein, um unsere Tickets zu entwerten. Die nächste Schwierigkeit war, mit unseren Fahrrädern in den Zug zu kommen. Obwohl es keine Rush Hour war, waren die Züge restlos überfüllt. Nachdem wir zwei Züge fahren lassen haben, sich die Lage aber nicht entspannte, drängelten wir uns mit allen Kräften in den nächsten Zug herein. Man sollte nicht hoffen, dass man auf Verständnis stößt! Total eingepfercht verbrachten wir die ersten 20 Minuten in dem Zug und dann entspannte sich alles. Nun hofften wir nur, dass wir erstens in keinem gefährlichen Vorort landen würden und dass dort zweitens keine Drehkreuze sind, schließlich hatten wir nur ein normales Metroticket für die Pariser Zone gekauft. Das Glück war aber voll auf unserer Seite und so erwies sich Saint-Rémy-lès-Chevreuse als wunderschöner Vorort, an dem es zum Glück auch keine Drehkreuze gab. Die größte Herausforderung war also genommen, jetzt mussten wir nur noch ca. 600 km radeln.
Für die erste Etappe haben wir uns vorgenommen, irgendwo zwischen Paris und Orléans herauszukommen und dort eine Unterkunft zu suchen. Also radelten wir voller Urlaubsstimmung los und waren überrascht, wie bergig es auf den ersten Kilometern war. Für uns Tiefländler war das schon eine richtige Herausforderung zumal wir ja auch noch unser Gepäck mitschleppten. Je weiter südlich wir kamen, desto flacher wurde die Landschaft. Leider zogen auch dicke Wolken auf und bald regnete es. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten, weiter zu fahren, schließlich waren wir am ersten Tag noch hochmotiviert. Als Ziel setzten wir uns Angerville. Als wir dort ankamen, mussten wir jedoch feststellen, dass es nur ein einziges und leider sehr teures Hotel gab. Wir waren beide schon total müde, aber 100 EUR pro Person und Nacht war einfach zu viel. Wie es der Zufall will, fragten wir eine Frau, ob es in der Nähe eine günstige Übernachtungsmöglichkeit gäbe und sie gab uns den Tipp, dass es in Arnouville ein Chambre d’Hôtes gäbe. Die sechs Kilometer bis dahin sollten doch machbar sein, also bissen wir die Zähne zusammen und fuhren die letzten Kilometer mit der Hoffnung, dass dort noch zwei Schlafplätze für uns frei wären. Chambre d’Hôtes sind übrigens Privatunterkünfte, die oft deutlich billiger sind als Pensionen oder Hotels.
Das Glück stand wieder mal auf unserer Seite und so bekamen wir ein ganz tolles Zimmer für nur 23 EUR pro Person. Eigentlich war es ein kleines Apartment mit Küche und Wohnzimmer unten und Schlafraum mit 2 Einzelbetten und Doppelbett oben. Die Besitzer des Bauernhofes mit Biolandwirtschaft waren sehr nett und haben uns sogar noch spontan ein leckeres Abendbrot aus frischen Zutaten gezaubert. Auch das Frühstück am nächsten Morgen war das Beste unserer ganzen Reise… frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sind einfach unschlagbar. Wer dort selbst mal Urlaub machen will, hat hier die Adresse: Claire und Pascal Garros, Ferme de la Basse Cour, 28310 Arnouville, Frankreich.
Nichts desto trotz mussten wir uns von Claire und Pascal verabschieden, um unsere nächste Etappe nach Orléans zu schaffen. Der erste Teil war wunderschön und führte uns vorbei an vielen Feldern mit Mais, Sonnenblumen und Getreide. Nur der starke Wind störte etwas beim Radeln. Die letzte Strecke war dann nicht mehr so schön, denn die Straße war stark befahren und die vielen LKW´s nahmen auch keine Rücksicht auf uns Radler. Von der Lautstärke etwas benebelt, kamen wir in Orléans an und sind als erstes zur Touristeninfo, um uns eine Unterkunft zu besorgen. Nachdem wir unser Hotel, was ziemlich schäbig war, bezogen hatten, gingen wir zu Fuß in die Stadt, um die Kathedrale, das Geburtshaus Jeanne d’Arcs und andere Orte zu besuchen. Unser Hunger wurde auch immer stärker und so starteten wir die Suche nach einem gemütlichen Restaurant. Da es aber erst 18 Uhr war, wurden wir überall abgewiesen… offenbar kann man in Frankreich erst ab 19 Uhr sein Essen bestellen. So gingen wir noch ein wenig shoppen und wunderten uns, dass es in großen Einkaufscentern nicht einmal eine Toilette gibt.
Nachdem wir schließlich etwas gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, um schlafen zu gehen. Auf dem Weg dorthin, liefen wir aber durch eine Straße, in der es viele Kneipen gab und da kam unsere Energie zurück. Also zogen wir uns nur kurz um und gingen dann etwas trinken. Offenbar sind in Orléans wenig Touristen und so wurden wir von vielen Einheimischen angesprochen und verbrachten einen sehr amüsanten Abend. Als wir gegen 3 Uhr wieder im Hotel ankamen, dachte ich bei mir, dass der nächste Tag sicher schwer wird. Wir waren sehr müde, die Stimmung war aber gut, also machten wir uns am nächsten Morgen auf, um nach Blois zu fahren… und nun auch endlich entlang der Loire. Dort gab es überall Wegweiser für Radler und so war es ganz leicht, die richtige Route zu finden ohne ständig auf die Karte schauen zu müssen. In Orléans stand auf einem dieser Schilder, dass es bis Blois nur 50 Kilometer wären. Genial, denn wir dachten, es wären vielmehr. Nachdem wir ziemlich schnell die ersten 20-30 Kilometer hinter uns hatten, gönnten wir uns eine lange Pause in einem kleinen Städtchen entlang des Radwegs. Hier trafen wir auch andere Reisende aus Spanien mit denen wir uns ein wenig unterhielten. Mit dem guten Gefühl, dass es nicht mehr weit bis Blois ist, fuhren wir weiter. Dieser Abschnitt war direkt auf dem Deich der Loire und hier blies der Wind besonders stark und natürlich hatten wir immer Gegenwind. Als wir nach einer Weile wieder ein Hinweisschild entdeckten, waren wir etwas geschockt, als wir statt der erwarteten 20 Kilometer plötzlich 40 sahen… oh nein! Total erschöpft kamen wir in Blois an und das erstbeste Hotel war unseres. Leider waren wir viel zu müde, um nochmal rauszugehen, aber was wir von Blois sahen, wirkte sehr schön. Unser Hotel war übrigens direkt gegenüber dem Schloss, wir konnten also von unserem französischen Balkon des Hotelzimmers ein wenig Sightseeing machen.
Am nächsten Tag wollten wir wieder ca. 70 km fahren und in Tours übernachten. Ich merkte schon am Morgen, dass ich überhaupt nicht fit bin und das wurde beim Radeln auch nicht besser. Dazu kam, dass es die ganze Zeit geregnet hat. Nach ca. 30 km sind wir dann auf den Zug umgestiegen und kamen bei Sonnenschein und mit guter Laune schon am frühen Nachmittag in Tours an. Die Stadt hat uns wirklich sehr gut gefallen. Als erstes haben wir uns wieder ein Hotelzimmer besorgt und danach die Stadt erkundet. Tours ist eine Universitätsstadt, wirkt sehr offen und modern, man hat sehr gute Shoppingmöglichkeiten, aber auch viel Natur. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt und hatten wieder einmal viel zu wenig Zeit, denn am nächsten Tag ging es schon weiter.

Tour de France - eine Fahrradtour durch Frankreich – Teil 2